Kampf gegen Antisemitismus
Wormser Zeitung, Montag, 11. Mai 2026
von Christopher Wirthwein
Worms und das jüdische Leben gehören seit Jahrhunderten zusammen. Die SchUM-Stadt trägt dieses Erbe sichtbar in ihrer Geschichte beim Durchwandern der Stadt kommt man kaum umhin, Stolpersteine und andere Denkmäler zu sehen, die an das Judentum erinnern. Dennoch bleibt die Frage aktuell, wie junge Menschen heute über Judentum, Vorurteile und Antisemitismus denken und sprechen. Diesem Thema widmete sich die Wormser Pfrimmtal-Realschule plus. Mit dem Projekt „Mazel Tov“ war der Verein „Bürger Europas“ zu Gast an der Schule und diskutierte mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge neun und zehn über jüdisches Leben, die Vergangenheit und über Klischees, die bis heute weitergetragen werden.
Die Veranstaltung lief bewusst anders ab als im klassischen Unterricht. Anstatt langer Vorträge standen ein Quiz, kurze Videos und ausführliche Gespräche im Mittelpunkt, wodurch die Schülerinnen und Schüler vollends eingebunden wurden. Mit TED-Abstimmungsgeräten beantworteten die Jugendlichen Fragen zu fünf Themenblöcken und diskutierten anschließend mit den Berliner Referenten Nina Coenen und Sami Alkomi. „Ich finde so eine Veranstaltung mega wichtig“, sagte Rektorin Simone Gnädig, die solch ein Angebot für unverzichtbar hält. „Es geht darum, Religionen besser zu verstehen und zu wissen, was das Judentum neben dem Islam, dem Christentum und all den anderen Religionen bedeutet.“ Die Schule habe sich bereits in der Vergangenheit immer wieder mit jüdischer Kultur beschäftigt. So waren unter anderem Vertreter des Jüdischen Museums aus Berlin sowie der jüdische Rapper Ben Salomo zu Gast. Entwickelt und gefördert wurde das Projekt mit Unterstützung des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Felix Klein. Hinter „Mazel Tov“ selbst stehen die Vereine „Bürger Europas“ und die „Demokratielotsen“ hierzu gehören auch die beiden Referenten, die sich gemeinsam gegen Antisemitismus einsetzen. „Seit dem Start 2024 haben wir rund 200 Veranstaltungen an circa 100 Schulen durchgeführt“, erklärt Nina Coenen. „Besonders wichtig ist uns dabei der direkte Austausch mit den Jugendlichen. Wir haben immer ganz tolle Diskussionen, die wir gemeinsam führen können.“
Für die Referentin steht vor allem ein Ziel im Vordergrund: das jüdische Leben wieder sichtbarer machen. Sie weiß, dass viele jüdische Menschen sich heute nicht mehr offen zeigen können beziehungsweise Sorgen davor haben. „In vielen deutschen Städten erkennt man nur noch am Polizeiauto vor der Synagoge, dass dort Juden sind“, bedauert sie. Gerade soziale Netzwerke würden zudem viele Fehlinformationen verbreiten, weshalb man mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen und aufklären wolle.
Mit dem Projekt „Mazel Tov“ sind Nina Coenen und Sami Alkomi zu Gast an Schulen, um über Judentum und den Kampf gegen Antisemitismus aufzuklären. Foto: Andreas Stumpf/pakalski-press
Nachbereitung durch Wormser Klassenlehrer
Trotz der ernsten Themen blieb die Atmosphäre locker und es wurde viel gelacht. Die beiden Referenten vermittelten viele Inhalte mit Humor und sorgten damit für den ein oder anderen Schmunzler. Das und das vermittelte Gefühl von gleicher Augenhöhe erleichterten es für viele Schülerinnen und Schüler, Fragen zu stellen und offen mitzudiskutieren. „So eine Veranstaltung ist wirklich fantastisch und auch sehr sinnvoll“, sagte Klassenlehrer Jochen Brohm und ließ wissen, dass im Anschluss an die Veranstaltung auch eine Nachbereitung stattfinden werde. „Bei meiner nächsten Klassenleiterstunde werde ich das Thema erneut aufgreifen und mit den Schülern ins Gespräch gehen.“






















